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Arbeiten im Home-Office

Stand: 22.11.2020

Hunderttausende Kolleginnen und Kollegen arbeiten während der Coronakrise und des Lockdowns zu Hause. Achten Sie darauf, wie Sie Ihr Home-Office gestalten. Teleworking ist kein rechtsfreier Raum: Es gilt das Arbeitsrecht. Wir beschreiben hier auch, wie Sie Ihren Arbeitsalltag auf Dauer gestalten können und was gegen „Lagerkoller“ hilft. Denn: Leben und Arbeiten zu Hause ist nicht leicht.

Nein. Homeoffice ist in Österreich Vereinbarungssache. Das heißt: Sie dürfen nicht einfach eigenhändig entscheiden, von zuhause aus zu arbeiten, sondern Ihr Arbeitgeber muss dem zustimmen – auch in Zeiten von Corona. Ausnahmen gibt es für Personen, die zur COVID19-Risikogruppe gehören.

Habe ich ein Recht auf Homeoffice?

Wenn in Ihrem Job Homeoffice prinzipiell möglich ist, dann ja. Allerdings brauchen Sie dafür ein Covid-19-Risikoattest. Die ÖGK muss betroffene ArbeitnehmerInnen und Lehrlinge per Brief informieren, dass sie möglicherweise zur COVID19-Risikogruppe gehören. Mit dieser Information kann dann Ihr behandelnder Arzt bzw. Ihre behandelnde Ärztin die Situation im Einzelfall beurteilen und Ihnen ein Attest ausstellen.

Haben Sie ein Infoschreiben der ÖGK nicht erhalten, kann Ihr behandelnder Arzt dennoch auf Grund seiner Expertise eine Zugehörigkeit zur Riskiogruppe attestieren.

Sobald Sie dieses Risikoattest haben, muss Ihnen der Arbeitgeber Homeoffice erlauben.

Ist Ihre Arbeit von zuhause aus NICHT machbar, gibt es zwei Möglichkeiten:

Entweder sorgt Ihr Arbeitgeber dafür, dass Arbeitsweg und Arbeitsbedingungen vor Ort so gestaltet werden, dass eine Ansteckung mit größtmöglicher Sicherheit ausgeschlossen werden kann, oder Sie werden bei vollem Entgelt freigestellt, wenn das nicht möglich ist.

Habe ich ein Recht auf Homeoffice, wenn ich zur COVID19-Risikogruppe gehöre?

Die Entscheidung, ob Sie zur COVID19-Risikoguppe gehören, liegt bei Ihrem behan­delnden Arzt bzw. Ihrer behandelnden Ärztin. Dort können Sie unabhängig vom Info­schreiben der ÖGK ein „Covid19-Risikoattest“ beantragen.

Bin ich Risikopatient? Ja oder nein?

Leider nein. Die gesetzliche Regelung sieht keinen Schutz für Personen vor, die mit gefährdeten Angehörigen zusammenleben. Es gibt trotzdem ein paar Dinge, die Sie versuchen sollten, wenn Ihr im selben Haushalt lebender Angehöriger der Risikogruppe angehört:

  • Lassen Sie für die gefährdete Person ein ärztliches Attest ausstellen. Es soll bestätigen, dass Erkrankungen vorliegen, die einen schweren Krankheitsverlauf von COVID 19 annehmen lassen. So ein „normales“ ärztliches Attest kann auch für Kinder und Personen, die selbst keine ArbeitnehmerInnen sind, ausgestellt werden.
  • Versuchen Sie mit diesem Attest, eine Lösung im Einvernehmen mit Ihrem Arbeitgeber zu erzielen.
  • Wenn das nicht möglich ist, wenden Sie sich bitte an die Arbeiterkammer oder Ihre Gewerkschaft. Rückmeldungen von Betroffenen helfen uns, politische Forderungen an die zuständigen Ministerien heranzutragen.
Habe ich ein Recht auf Homeoffice, wenn ich mit einer Person aus der COVID19-Risikogruppe zusammenlebe?

Nein. Meldungen, dass für die Corona-Zeit eine „Homeoffice-Pflicht“ eingeführt wurde, stimmen nicht. Obwohl die Bundesregierung in allen möglichen Fällen zu Homeoffice aufruft, bleibt auch jetzt Homeoffice gesetzlich Vereinbarungssache. Das heißt: Sie „müssen“ nur dann im Homeoffice arbeiten, wenn es dazu bei Ihnen eine Betriebsvereinbarung gibt oder Sie dieser Verlegung des Arbeitsortes selbst zustimmen. Eine Vereinbarung kann schriftlich oder mündlich erfolgen.

AUSNAHME

Sie haben ein Attest, dass Sie zur Risikogruppe gehören. Dann kann Ihnen der Arbeitgeber das Homeoffice auch anordnen.

Kann mir der Arbeitgeber Homeoffice einfach anordnen?

Eigentlich nicht. Die Arbeitszeiten im Büro und im Home-Office unterscheiden sich grundsätzlich nicht. Denn Arbeitszeiten müssen immer irgendwo geregelt sein: Etwa in einer Betriebsvereinbarung oder individuell, z.B. im Arbeitsvertrag. Diese vereinbarte Normalarbeitszeit, unter Umständen mit Mehr- und Überstunden, gilt auch im Homeoffice.

ACHTUNG!

Sie wollen innerhalb der eigentlichen „Büroarbeitszeit“ kurz einkaufen, spazieren gehen oder sich um Ihre Kinder kümmern und würden die Stunden lieber davor oder danach einarbeiten? Achtung: Ihre bisher vereinbarte und gelebte Normalarbeitszeit gilt auch zuhause!

Aber: Wenn für Sie im Homeoffice andere, flexiblere Arbeitszeiten praktisch wären, sprechen Sie diesen Wunsch Ihrem Arbeitgeber gegenüber an. Wenn Sie sich auf eine andere Vereinbarung für Zuhause verständigen können, spricht überhaupt nichts dagegen!

Ein Tipp: Jedenfalls gilt, wie immer im Arbeitsleben: Sie sollten Ihre Arbeitszeiten dokumentieren, z.B. mit dem AK Zeitspeicher.

Darf ich meine Arbeitszeit im Homeoffice frei einteilen?

Ja. Wenn Sie Homeoffice tatsächlich vereinbart haben, egal ob schriftlich oder mündlich, heißt das, dass der Dienstort fix nachhause verlegt ist. Sobald Sie dann beruflich die Wohnung verlassen müssen – sei es für einen Kundentermin, für eine Lieferung oder sogar für einen kurzen Weg ins eigentliche Büro – dann ist die Reisezeit zugleich Arbeitszeit.

Ich habe einen beruflichen Weg aus dem Homeoffice heraus - gilt das als Arbeitszeit?

Viele Eltern müssen in Zeiten von Corona Homeoffice und Kinderbetreuung mindestens an einigen Tagen pro Woche unter einen Hut bringen. Das ist, bei allen Bemühungen nach gemeinsamer Struktur, gutem Zeitmanagement und Pausen, für viele kaum zu bewältigen.

AK und ÖGB haben lange für einen Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit gekämpft und die Bundesregierung hat nun eingelenkt. Künftig müssen Eltern Sonderbetreuungszeit bekommen, wenn Kindergarten oder Schule geschlossen werden und dort keine Betreuung angeboten wird oder das eigene Kind in Quarantäne muss – ohne den Arbeitgeber um Erlaubnis bitten müssen.

Zusätzlich soll es weiterhin möglich sein, eine Sonderbetreuungszeit im Einvernehmen zu vereinbaren, selbst dann, wenn Schule oder Kindergarten eine Notbetreuung anbieten. Als Anreiz für den Arbeitgeber, dieser Maßnahme zuzustimmen, soll dieser einen Kostenersatz von 100% erhalten. (Stand: 22.11.2020)

Dafür haben wir uns eingesetzt:

  • Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit
  • Weiterhin Vereinbarungsmöglichkeit dort, wo Rechtsanspruch nicht greift
  • Verlängerung von drei auf vier Wochen pro Elternteil
  • Soll bis 9.7.2021 gelten. 
  • 100% Kostenersatz für die ArbeitgeberInnen durch den Bund

Lesetipp:

Zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung

Sonderbetreuung – was ist das und wie bekomme ich sie?

Ich muss im Homeoffice "nebenbei" Kinder betreuen - wie soll das gehen?

Jein. Für die Zeit der Corona-Krise befristet konnten Arbeiterkammer und Gewerkschaften einen umfassenden Versicherungsschutz durchsetzen. Unfälle, die sich im Homeoffice im Zusammenhang mit Ihrer Beschäftigung ereignen, gelten momentan als Arbeitsunfälle. Sie genießen damit den gleichen Versicherungsschutz, den Sie hätten, würde sich Ihr Arbeitsunfall in Ihrem Betrieb oder auf dem Weg dorthin passieren.

Aber: Leider gibt es in Österreich – anders als in vielen europäischen Ländern – kein Gesetz, das über die Zeit von Corona hinaus den Versicherungsschutz im Homeoffice umfassend regelt. Das erzeugt eine große rechtliche Unsicherheit: Der Versicherungsschutz im Homeoffice beschränkt sich dann auf den Arbeitsraum, in dem sie tätig sind – und ein Sturz am Weg zur Toilette wäre etwa nicht als Arbeitsunfall zu werten. Arbeiterkammer und Gewerkschaften fordern daher ein einheitliches Homeoffice-Gesetz, auf das umfassenden Unfallversicherungsschutz bietet und auf das sich die Beschäftigten auch in Zukunft verlassen können.

Bin ich versichert, wenn ich im Homeoffice einen Unfall habe?

Nein. Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass Sie die nötigen Arbeitsmittel für die regelmäßige „Telearbeit“ zur Verfügung haben und dass diese auch gewartet werden.

Muss ich im Homeoffice meine eigenen Geräte und Büromaterialien verwenden?

Kosten, die bei Ihnen durch das Homeoffice zusätzlich anfallen (z.B. Telefon- und Internetkosten, nicht aber Einrichtungsgegenstände), muss Ihnen grundsätzlich Ihr Arbeitgeber ersetzen. Im Idealfall treffen Sie im Vorfeld eine Vereinbarung darüber, indem Sie sich etwa auf einen pauschalen Aufwandsersatz einigen.

Geht es nur um kleine Anschaffungen, etwa für Papier, Stifte oder einen USB-Stick, dann wird es reichen, wenn Sie die Rechnungen aufheben und später Ihrem Arbeitgeber übermitteln. Geht es um größere Ausgaben, sollten Sie jedenfalls im Vorfeld mit Ihrem Arbeitgeber Rücksprache halten, denn eigentlich muss die Firma dafür sorgen, dass Sie die technische Ausstattung haben, die Sie brauchen.

Wer muss Homeoffice-Kosten für Internet, Handy, Strom etc. bezahlen?

Nein. Für Ihre Arbeitsumgebung im Homeoffice sind Sie selbst verantwortlich. Ihr Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, Ihnen z.B. geeignete Tische oder Sitzgelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Tut er es trotzdem, dann muss er darauf schauen, dass sie alle erforderlichen ergonomischen Anforderungen erfüllen.

Ich habe zu Hause keine geeigneten Büromöbel um zu arbeiten. Muss sie der Arbeitgeber zur Verfügung stellen?

Ein Tipp noch: Zeichnen Sie Ihre Arbeitszeiten genau auf! Sie können dafür zum Beispiel den AK-Zeitspeicher verwenden. Wie es geht und wo Sie ihn herunterladen können, erfahren Sie hier!

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